Buch Nummer 8 in der „Women of the Otherworld“-Reihe von Kelley Armstrong. Und bevor die Frage auftaucht: NEIN, das hat nichts, aber auch GAR NICHTS mit dem Underworld-Universum zu tun. *grummel*
Als meine Tante mir zu Weihnachten zwei Bücher schenkte, war ich vierzehn. Und hatte irgendwie eine Phase, in der ich zwar schon noch las, aber nicht so sonderlich viel. Ich las also die Zusammenfassung auf den Rückseiten, und ja, das klang interessant, aber irgendwie nicht so wirklich nach dem, was ich unbedingt jetzt augenblick lesen musste. Anderthalbe Jahre darauf habe ich mein Bücherregal ausgemistet, und stieß wieder auf diese beiden Bücher. Mit einem Seufzen schnappte ich mir das erste, schlug es auf, und wollte nur sehen, ob ich es weggebe, oder doch noch behalte. Vier Stunden später stand meine Mutter in der Tür, mich ziemlich unsanft daran erinnernd, dass es Abendessen geben würde, und mit dem Ausruf „Du bist ja immer noch nicht weiter!“ Wie auch, denn ich hatte die letzten vier Stunden zuerst im Stehen, dann Sitzen, und dann im Liegen auf meinem Bett das Buch verschlungen, das mein Leben ändern sollte: Bitten von Kelley Armstrong [deutscher Titel: Nacht der Wölfin]
Buch Nummer acht der Reihe ist also Personal Demon. Erzählerin in diesem Buch ist die Halbdämonin Hope Adams, Klatschzeitungsreporterin und Hobbyeinbrecherin. Hope hat ein klitzekleines Problem. Wie alle anderen Halbdämonen hat sie einen Dämon zum Vater, aber ein menschliches Aussehen. Aber etwas macht sie und noch eine handvoll anderer besonders: Erben Halbdämonen sonst die offensichtlichen Fähigkeiten ihrer Väter [Feuer entstehen lassen, Wetter kontrollieren, diese Späße], hat Hope nicht so viel Glück gehabt. Denn sie hat „nur“ die Chaos-Sensoren abbekommen, die es ihr erlauben, Chaos ab einer gewissen Grenzen zu fühlen, es einzuordnen, und teilweise sogar chaotische [oder vielmehr gewälttätige] Gedanken ihrer Umwelt aufzufangen. Segen und Fluch zugleich, denn während Hope nichts lieber täte, als nie wieder in einer plötzlichen Vision zu sehen, wie jemand das Zeitliche segnet, ist das genau das, was der Dämon in ihr verlangt und braucht, um im Zaum gehalten zu werden.
Leute umzubringen kommt für Hope jedoch nicht in Frage, dafür hat sie zu viel Mitgefühl. Also sucht sie andere Wege, um an ihre Dosis Chaos zu kommen. Da kommt ihr ein Spionageauftrag für Benicio Cortez, Zauberer und Leiter der Cortez-Kabale, der mächtigsten unter den vieren, genau richtig. Außdem schuldet sie Benicio noch einen Gefallen, einen, den sie lieber ohne den Mann, der ihr das Stehlen und Einbrechen beibrachte und welcher ebenfalls in Benicios Schuld steht, begleichen will. Also nimmt Hope an, und findet sich unter dem Namen Faith Edmonds in einer Gang von Jungendlichen Paranormalen wieder, die nichts lieber möchten, als zu Stehlen und von den Kabalen in Ruhe gelassen zu werden. Was nichts funktionieren kann, wenn das eigene Revier Miami ist, Hauptsitz der Cortez-Kabale.
Hope verliebt sich Hals über Kopf in eines der Gangmitglieder, und merkt dabei nicht, dass sie dabei ist, ein Stück von sich selbst zu verlieren. Von ihrem Hunger nach Chaos angetrieben versinkt sie immer mehr in einer Welt, in die sie nicht passt, und von der sie auch tief in ihrem Inneren kein Teil sein möchte. Als jedoch ihr alter Partner Karl Marsten, seines Zeichens Werwolf und Dieb, auftaucht, und zwei der Gangmitglieder plötzlich verschwinden, ist Hope in einem Netz aus Lügen, Intrigen und Halbwahrheiten gefangen, aus dem sie nur entkommen kann, wenn sie ihre eigene Natur endlich akzeptiert.
Ich liebe Kelleys Bücher. Abgöttisch. Und ich hab es [vielleicht/anscheinend] geschafft, auch Mandy dazu zu bekommen, ihr mal eine Chance zu geben. Allerdings war Personal Demon anfangs irgendwie… fad. Was mit Sicherheit auch daran lag, dass ich die erste Kurzgeschichte, in der Hope auftaucht, nicht gelesen habe [Buch kaufen, weil man nur eine der Geschichten darin lesen möchte? Öh, nein?], und sie mir in No Humans Involved [Buch#7 der Reihe, Erzählerin Jaime Vegas] nicht sonderlich symphatisch war. Was sich nach ungefähr 40 Seiten dann änderte. Hopes Art zu erzählen, ihre ganze Person ist ein schöner Mix aus Elena, Eve und Jaime. Hau drauf – Ich kann das allein- Oh mein Gott, was hab ich getan? – Seh ich in diesem Oberteil fett aus? Oder in Adjektiven: selbstsicher, unsicher, tollpatschig, unabhängig, ängstlich, mutig.
Personal Demon ist ein schönes Buch mit einigen Twists & Turns, die man so nicht vorhersehen kann. Innerhalb von zwei Tagen gelesen, nachdem ich beim ersten Anlauf kurz vor 40 Seiten erstmal aufgegeben hatte. Zu Unrecht.
Was Hope für mich so attraktiv macht [oh Gott, dieses Wort *hd*], ist, wie sie versucht, ihren Platz in der Paranormalen Welt zu finden. Expiscos sind eine sehr seltene Rasse, kaum jemand weiß etwas über sie, und genauso wenig wird ihnen vertraut. Hope hat Angst, dass die anderen ihr dunkles Geheimnis erfahren: das sie Chaos braucht, sich danach sehnt. Dazu kommt, dass sie ihrer Mutter nie sagen konnte, was sie als Teenager so belastete, da ihre Mutter immer noch denkt, dass ihr geschiedener Mann Hopes Vater ist [der ist aber leider ein Mensch]. Ihre Freunde können ihren Zusammenbruch im letzten High School Jahr nicht verstehen, und haben sich damals von ihr abgewendet, ihrer Mutter kann sie den größten Teil ihres Lebens nicht gestehen, und die Leute, die sie vielleicht ansatzweise verstehen könnten, die ähnliches durchmachen, trauen ihr nicht, und Hope hat Angst, was sie von ihr denken, wenn sie die Wahrheit erfahren.
Also, ein must-read, wenn man die anderen Bücher der Serie gelesen hat. Und auch sonst ein empfehlenswert, wenn man auf Paranormal Fiction steht. Also Vampire, Werwölfe, Dämonen und Zaubrer und Hexen mag. Spielt in der Gegenwart, und ist vielleicht nicht unbedingt für Jugendliche unter 14 Jahren geeignet.