Archiv für Juli, 2009

The Summoning

30. Juli 2009

Innerhalb von anderthalb Tagen ausgelesen, habe ich mich nun bis heute davor gedrückt, ein review zu schreiben. Weil ich Kelley Armstrong wirklich mag, als Autorin. Weil ich ihre Otherworld-Serie so toll finde. Weil ich weiß, dass sie es besser kann.

Aber ich will ehrlich sein. The Summoning ist nur ein durchschnittliches Buch. Es hat mich nicht gefesselt. Die Charaktere waren irgendwie oberflächlich beschrieben.

Chloe Saunders ist ein junges Mädchen von 15 Jahren. Ihr Leben ist nicht unbedingt der Inbegriff von Normalität, ihre Mutter starb, als sie in der ersten Klasse war, ihr Vater ist berufsbedingt ständig auf Reisen, sie geht auf eine Kunstschule, und stottert ein wenig. Außerdem sieht sie eher aus als eine Zwölfjährige, als ein Mädchen ihres Alters. Aber so schlimm Chloe ihr Leben am Anfang des Buches findet, am Ende sehnt sie sich danach, zu dieser doch Normalität zurückkehren zu können.

Diese Normalität nimmt ein jähes Ende, als sie in ihrer Schule plötzlich einen Geist sieht. Einen Mann in Hausmeisteruniform, mit verbrannter Haut. Man liefert sie in das Gruppentherapiezentrum Lyle House ein, in dem sie 14 Tage verbringen muss, bevor sie wieder an ihre Schule darf. Gemeinsam mit ihr sind noch andere Kinder dort untergebracht: Simon und sein Pflegebruder Derek, Bradley, Rae (eigentlich Rachelle), Tori (Victoria) und Liz (Elisabeth), mit letzterer teilt Chloe sich ein Zimmer. Toris Mutter gehört mit zur Klinikleitung, sie ist das Prinzesschen, und während Bradley schon recht bald entlassen wird, scheint Tori auch nach monatelangem Aufenthalt nicht auf dem Weg der Besserung.

Bei Chloe wird Schizophrenie diagnostiziert, der Geist war eine Halluzination, nicht die erste, die sie hatte. Und immer sind es tote Menschen. Merkwürdig wird die Sache, als Liz, die einen Stift nach der Lehrerin wirft, abends in ihrem Zimmer die Kontrolle verliert. Dinge beginnen durch den Raum zu fliegen, Bilder fallen von den Wänden… Liz wird rasch in eine andere Klinik verlegt, und Chloe fragt sich langsam, was da eigentlich wirklich los ist. Als Derek ihr mitteilt, dass sie etwas ist, was man Necromancer nennt, und ihre Halluzinationen keine sind, sondern sie wahrhaftig tote Menschen sehen kann, wird die Sache immer mysteriöser.

Gemeinsam mit Simon, Derek und Rae plant Chloe ihren Ausbruch aus Lyle House. An dem Abend wird der Ausbruch jedoch bemerkt, und die vier werden gnadenlos gejagt, der letzte Beweis, das Lyle House keine herkömmliche Therapieeinrichtung für Kinder mit psychischen Störungen ist.

 

The Summoning ist der erste Band in der Darkest Powers-Triologie von Kelley Armstrong. The Awakening ist bereits bei Amazon erhält, The Reckoning als dritter Band soll im Mai 2010 erscheinen.

Vielleicht bin ich zu alt für Young Adult- Bücher. Vielleicht liegt es auch daran, dass The Summoning eben nur das erste Buch ist, die Charaktere vorstellt, den Plot einführt… Aber ganz ehrlich, das Buch ist leider nur Durchschnitt. Gut geschrieben, ja, aber es fehlt das, was mich daran fesselt. Und was noch schwerwiegender ist: mir fehlten die Überraschungsmomente. Eine Vermutung, was Derek ist, war mir schon in dem Moment gekommen, als er das erste Mal auftaucht. Als Chloe dann seine Akte liest, und man in Betracht zog, dass er die ganze Zeit mit ihnen zusammen gegessen hat, war es sofort klar.

Was mich vielleicht ein wenig erstaunt hat, war Chloes Tante Lauren. Aber auch das war vollkommen klar, in dem Augenblick, in dem sie Chloe dazu bringt, die Gatorade zu trinken.

Irgendwie vorhersehbar. Aber für junge Leute, also die Zielgruppe für Young Adult mit Sicherheit gut geeignet.

Übrigens: Chloe hat eine eigene Internetseite. Hintergrundinformationen, Charakterbeschreibungen, Link zu den ersten 73 Seiten von The Reckoning… allerlei Fun Stuff.

2.620

26. Juli 2009

Meine Muse liebt es, mich zu quälen. Manchmal habe ich monatelang keine Einfälle, nichts will mir gelingen, alles, was ich schreibe, ich der größte Mist,den die Menschheit nie zu sehen bekommen wird… Und dann kommen die Prüfungen. Oder lauter Termine und Deadlines. Und anstatt mich auf’s Lernen zu konzentrieren, wollen mir plötzlich tausende Ideen nicht mehr aus dem Kopf. Und was ich dann zu Papier bringe, ist teilweise, ohne mich selbst zu sehr loben zu wollen, ziemlich gut. Stealthy Predator hier ist entstanden, als ich eigentlich an dem Benn-Referat zu Ithaka hätte arbeiten müssen.

Und ich habe ein weiteres kleines Problem. Mir war in dem Shakespeare’s English-Seminar langweilig, als irgendjemand da ein Referat zu Shakespeares Leben gehalten hat. Und ich habe einfach so, aus lauter Langeweile eine ganz kurze FFs auf den Studentenblock gekritzelt. Ohne darüber nachzudenken. Zu Hause hatte ich das schon wieder vergessen. Bis ich drei Wochen später mal meine Aufzeichnungen durchgesehen habe, und darüber stolperte. Und ich konnte nicht glauben, was ich da geschrieben hatte, und vor allem, wie. Das war so weit von meinem sonstigen Stil entfernt, ich hätte es niemals als meine Arbeit erkannt, wenn es nicht meine Handschrift gewesen wäre. Ich war vollkommen baff. Und zum ersten Mal seit langem war ich mit etwas, das ich geschrieben hatte, vollkommen zufrieden. Alles, was ich geändert habe, waren zwei Rechtschreibfehler. Ansonsten streiche ich ganze Absätze, schreibe Passagen vier Mal, bis ich ansatzweise damit leben kann, was da steht.

Außerdem habe ich gestern sage und schreibe 2.620 Wörter geschrieben, in denen nur ganze DREI Stellen Wörtliche Rede vorkam. Und das war jeweils nur ein Satz. Ich bin sonst jemand, der riesige Schwierigkeiten mit “Show, Don’t Tell” hat. Aber ich habe es geschafft. Und ich habe… nun ja… also… wie sag ich das… ich habe es geschafft, ausnahmsweise mal nicht wegzublenden, wenn das Filme mit FSK 12-Freigabe tun. Ich hab’s geschafft! Mwuahahaha. Und ja, irgendwie ist das leicht… krank. Aber das ist mir egal.

Ich werd mir jetzt das Beck’s Ice aus dem Kühlschrank holen, und mir selbst zuprosten.

Stimmung des Tages: happy

Lied des Tages: True Love von Angels & Airwaves

Leiden einer Lesenden

26. Juli 2009

Okay, eigentlich tu ich sowas nicht. Wenn ich etwas über ein Buch schreibe, dann eines, das ich zu Ende gelesen habe. Aber ich mach mal eine kleine Ausnahme.

Ich überlege gerade, ob ich The Summoning von Kelley Armstrong nicht weglegen sollte. Der Anfang war toll. Die ersten… zwanzig Seiten. Und seitdem geht es irgendwie ein wenig abwärts.

Ich muss es leider zugeben. Ich langweile mich beim Lesen. Ich habe das Gefühl, zu wissen, was gleich passiert.

Nur weiß ich, dass Kelley ganz anders schreiben kann. Und das auch tut. In der Otherworld-Reihe hatte ich bis jetzt nur drei solche Erlebnisse, wo ich vorher wusste, was kommt. Und das eine Mal war es ziemlich offensichtlich, ich meine, es war klar, dass sie keinen neuen Vampir so wirklich perfekt vorstellt, nur, um sie dann 300 Seiten später umzubringen. Not gonna happen.

Vielleicht liegt es am Genre. Vielleicht bin ich zu alt für Young Adult. Oh Gott, mit neunzehn zu alt für etwas. *heul* Vielleicht wird es auch noch besser. Mal sehen. Zu Ende werd ich es auf jeden Fall lesen.

Ich hätte noch To Kill A Mockingbird hier rumliegen. Und den vierten Band der Cassie Palmer-Reihe von Karen Chance. Aber da war der dritte Band schon so Kaugummi-mäßig, alles zooooooooooooog sich, nichts spannendes passierte, das, was passierte, brachte die Handlung und den plot nicht voran… Gnarf.

^_^

26. Juli 2009

Manche Filme liebt man schon nach nur 20 Minuten, und das liegt absolut nur an der Besetzung.

Lauren Graham

John Goodman

Catherine Bell

*Freudentanz*

So, und jetzt schau ich weiter Evan Almighty.

Weltreise für Anfänger

25. Juli 2009

Ich habe eine Weltreise gemacht. Okay, dass ist übertrieben. Aber ich hab’s mal wieder geschafft, in den falschen Bus zu steigen. Und war statt 20 min ganze 97 min unterwegs. Wie das passiert ist?

Also, ich wollte nicht vierzig Minuten an der Haltestelle stehen. Also dachte ich mir, ich nehme den 68er Bus bis zum Gutenberg-Center, und steige da aus, hol mir beim Goldenen M was zum Mittag, und fahr dann mit dem 650er Bus nach Essenheim weiter. Soweit der Plan.

Allerdings bin ich nicht in die 68, sondern die 55 gestiegen. Die fährt nicht über das Gutenberg-Center. Sondern nach Mainz, Theodor-Heuss-Straße. Dort angekommen, bin ich erstmal durch den halben Stadtteil gelatscht. War ich froh, meinen Stadtplan dabei zu haben. Und wer gedacht hat, dass kleine Orte schlimm sind: Mainz Finthen ist schlimmer. Da läuft man [zu diesem Zeitpunkt noch ohne Stadtplan] durch das Wohngebiet, und ALLE schauen einen bescheuert an. Muss ich mir das nächste Mal ins Gedächtnis rufen, wenn die Leute in Essenheim beim Einkaufen mich etwas schief ansehen ob der doch etwas intensiv kupferfarbenen Haarfarbe. Himmelherrgottnochmal, haben die denn alle noch nie eine 19jährige zu Fuß durch die Siedlungen laufen sehen?

Jedenfalls, nach 40 Minuten, einer verpassten Abzweigung und einem dämlichen Hund, dem ich am liebsten in den Ar… das Hinterteil getreten hätte, war ich endlich an der Hauptstraße, und nach weiteren 7 Minuten hatte ich die Haltestelle gefunden. Juhu.

So, und jetzt weiß ich, wie Mainz Finthen zu Fuß aussieht. Als meine Eltern hier waren, hatte mein Vater auch die Gutenberg-Center-Abfahrt verpasst, und wir sind versehentlich in diesem Ortsteil gelandet. Und obwohl der Spaß noch zu Mainz gehört: Das ist wie ein Kuhkaff. Und das schlimmste daran ist: Wer auch immer gesagt hat, Dörfer sehen alle gleich aus, der hatte Recht. Ich habe auf meiner aufgezwungenen Erkundungstour eine Ecke gefunden, die genauso aussah wie die Abzweigung vor der Grundschule in Nieder-Olm, in der ich mein Praktikum gemacht habe. Au weia.

 

[nebenbei, kann mir mal bitte jemand sagen, wieso plötzlich die Tag-Leiste im Windows Live Writer weg ist? Die kommt jetzt erst, wenn ich die Eigenschaften-Leiste hochole. Das ist doof *schmoll*]

Tscha-KA!

24. Juli 2009

Ich hab’s getan. Wirklich und wahrhaftig. Nein, nichts irgendwie Sexuelles. Mein Gott, was ihr gleich wieder denkt. Auch nichts wirklich Zwischenmenschliches.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich’s sagen sollte. Aber was ich wollte, war, euch an einer Erkenntnis teilhaben zu lassen:

Manchmal lohnt es sich eben doch, mal etwas zu wagen.

Ich bin glücklich. Wirklich richtig, von innen heraus vollkommen glücklich und zufrieden. Das Leben ist schön. Und auch, wenn meine Mutter es nie verstehen wird: Internetcommunities sind großartig.

Stimmung des Tages: Jippie!

Lied des Tages: Elohim sheli von HaDag Nachash. Gänsehautfeeling beim Text.

Wort des Tages: a-mazing! [Weil’s einfach so toll is, runtergeht wie Öl, und mich unglaublich verlegen und glücklich und stolz macht]

mieps >.<

21. Juli 2009

Noch 55 Minuten bis zur schriftlichen Klausur in Spoken English. Die ich wahrscheinlich ganz grandios verkacken werde. Ich kann einfach nich transkribieren.

Gute Nachrichten: Academic Writing und Psychologie hab ich bestanden.

Zeitungsfetzen

18. Juli 2009

Meine Großeltern, besonders mein Großvater, haben einen kleinen Fimmel. Sie schneiden alles aus der Zeitung aus, was irgendwann ja mal von Interesse sein könnte. Und wenn es Schule, Bildung, Universität oder Computer betrifft, wird es mir geschickt. Ich habe aufgegeben, ihnen zu vermitteln, dass mich der Notstand an der Uni LE nicht interessiert, weil ich nämlich in Mainz studiere. Aber manchmal sind ganz interessante Artikel dabei. Und manchmal, wie jetzt, kann ich es nicht ertragen, und muss einfach was dazu sagen/schreiben. Fühlt euch frei, das zu ignorieren.

LVZ von Sonnabend/Sonntag, 27./28. Juni 2009, Artikel “Absolventen Aktion: Sprecherin: Sachsen stellt 405 Lehrer ein”

“Demografische Entwicklungen liegen aber nicht in der Entscheidungsgewalt des Freistaates”

I beg to differ. Natürlich ist der Freistaat nicht für rückläufige Geburtenraten verantwortlich. Oder vielleicht doch? Wer will denn ein Kind im Osten Deutschlands, aus dem immer mehr junge Leute vor allem abwandern? Wer will denn ein Kind in eine Region setzen, in der es nicht genug Lehrer und Schulen gibt? Schon die Tatsache, dass man sich als Pressesprecherin des Sächsischen Staatsministerium für Kultus [Irina Schenk] hinstellt, um zu verkünden, dass anders als von den Uniabsolventinnen im Lehramt behauptet nicht 50, sondern 450 Lehrkräfte eingestellt werden, grenzt nicht nur an Lächerlichkeit, das ist auch noch hochgradig unverschämt. Es sollen bis 2020 sollen nach Rechnungen etwa 15.000 der jetzigen 35.000 Lehrer in den Ruhestand gehen. Und das nur in Sachsen. Habt ihr denn alle den Arsch offen? Fahrt das Bildungssystem weiter an die Wand, nur zu, die Bremse habt ihr schon lange losgelassen, und jetzt fangt ihr sogar an, kräftig Gas zu geben. Und wenn ich den nochmal erlebe, der jammert, dass es nicht genug Lateinlehrer gibt… Wenn ich mich als Student für ein Lehramtstudium, bzw. den Bachelor und dann Master of Education entscheide, dann suche ich die Fächerkombi, die mir die besten Einstellungschancen gibt, oder die mir besonders liegt. Schulen, die keine Lateinlehrer haben, und deshalb kein Latein anbieten, nehmen auch keine Studenten von der Uni mit Lateinabschluss an. Aus dem einfachen Grund, dass ein Lehrer in diesem Fall dann immer zu wenig ist, und sich das nicht lohnt, dass der Lehrer nicht alle Klassen unterrichten kann. Das ist ein Teufelskreis, wehrte Minister und Verantwortliche, den ihr euch selbst eingebrockt habt. Lebt damit.

 

LVZ vom 29. Juni 2009: Leserbriefe

An den netten Herrn Werner Geisler aus Markkleeberg, der sich über die Lehrerin aufregte, die mit ihren Schülern das Lied, in dem JESUS als Wort vorkommt, nicht singen will, und deshalb seiner Meinung nach auch nie in eine Kunstaustellung gehen kann, weil ihr da ja immer Jungfrau Maria, ob nun mit oder ohne Jesuskind, begegnen würde.

Müssen verbissene Ideologen unsere Schulen leiten?

Lieber Herr Geisler, das hat nichts mit verbissenen Ideologen zu tun. Das Schulgesetz ist in diesem Fall eindeutig. Es darf von keinem Lehrer eine bestimmte Religion oder Weltanschauung oder politische Richtung hervorgehoben und als besser vor den anderen dargestellt werden. Die Lehrerin reagiert auf Eltern von Kindern mit nicht-christlichem Glauben. Die bei sowas ganz schnell in der Schule stehen, und sich beschweren. Ich würde absolut nicht wollen, dass mein Kind zum singen des Namens Jesu aufgefordert/gezwungen wird. Und ich bin nur Atheistin, man stelle sich vor, wie das sicher Leute mit jüdischem, muslimischen oder buddhistischen Glauben sehen. Erstmal über das Gesetz wettern, bevor man die Leute angreift, die es nur umsetzen müssen, oder sonst, wenn sie Pech haben, einen auf den Deckel bekommen.

 

LVZ vom 9. Juli 2009: Leserbriefe: Portal für Ärzte sorgte für Aufschrei der Empörung: Zum Beitrag “Waffengleichheit für Schüler” vom 24. Juni

An Wolfgang Leistritz und Lars Saewe [wenn letzterer am Friedrich-Schiller-Gymnasium unterrichtet, fress ich nen Besen], die sich beide über das Portal Spickmich aufregen, bei dem Schüler Lehrer benoten können. Ich kann den Standpunkt Herrn Saewes verstehen, ist er ja selbst Lehrer. Aber der Herr Leistritz schießt etwas über das Ziel hinaus, indem er sagt, dass eine “weitere Verwahrlosung eines immer größer werdenden Teils der Jungen” die Folge sein wird.

Ja, in gewisser Weise untergräbt diese Methodik die Autorität. Aber wie sagt man so schön: Nur getroffene Hunde bellen. Natürlich geht es als Lehrer, wenn man sich pausenlos engagiert und macht und tut, nicht spurlos an einem vorbei, wenn man mit einer 6 benotet wird. Und ich finde auch die Bewertung von Äußerlichkeiten als zugegeben dämlich. Aber Spickmich hat da etwas entdeckt: Das Recht von Schülern, ihre eigene Meinung zu äußern. Natürlich kann man als Lehrer es nicht allen Recht machen. Aber ich bezweifle ernsthaft, das gute Lehrer, die sich engagieren, und gerecht Noten vergeben, schlechte von ihren Schülern bekommen. Es wird viel eher die in den Hintern beißen, die der Meinung sind, die Weisheit mitsamt ihrer sieben Löffel gefressen zu haben. Die ihre Schüler als minderwertig betrachten, und nicht als einzelne Individuen, von denen man auch als Erwachsener noch lernen kann. Wer als Lehrer, der immer wieder mit Konflikten konfrontiert wird, und ständig bewerten muss, nicht in der Lage ist, selbstkritisch über sein eigenes Verhalten zu reflektieren, und angebrachte Kritik an seiner Person auch mal wirken zu lassen, hat schon verloren. Und zwar kräftig.

narf

17. Juli 2009

Langsam werd ich sauer. Kein Internet mehr, nicht richtig. Ich muss jede Seite mindestens zwanzig mal aufrufen, damit sie vielleicht endlich mal lädt. Grrr…

Wie soll ich bitte so meinen Stundenplan erstellen? Oder mir die Folien für die Prüfungen anschauen? Hm?

Klasse. Echt toll.

Eltern sein dagegen sehr

16. Juli 2009

Gibt es eigentlich Elternratgeber für den Umgang mit Teenagern, die von Teenagern geschrieben wurden?

Die Frage stellt sich mir, wenn ich diese dummen Bücher in Regalen sehe, und an etliche Ratgeber in Zeitungen denke. Oder an diese dämlichen Fragebögen mit Überschriften wie “Ist mein Kind selbstmordgefährdet?” oder “Ist mein Kind internetsüchtig?”

Ich frage, weil ich mehrere solcher “Ratgeber” gelesen habe, besonders die im Stil von “Sie fragen – Psychologe XYZ antwortet”. Und jedes Mal musste ich den Kopf schütteln und war kurz davor, das Magazin/die Zeitung gegen die Wand zu klatschen. Da wird das Haarefärben der sechzehnjährigen Tochter zur Staatsaffäre, weil das Mädchen die schwarze Farbe in einem hellen Handtuch und auf dem Teppich verteilt hat. Aus Versehen. Na mein Gott. Die hat sich zum ersten Mal die Haare gefärbt. Da denkt man wahrscheinlich nicht daran, dass man vergisst, dass vor allem dunkle Haarfärbemittel nicht wieder rauswaschen kann. Und das die Farbe von langen Haaren auf den Teppich runtertropft, wenn man durch die Wohnung läuft.

Wenn sich Teenager von ihren Eltern zurückziehen, wehrte Väter und Mütter, muss das nicht heißen, dass wir depressiv sind, und uns sofort die Pulsadern aufschlitzen, wenn ihr uns den Rücken zukehrt. Wir werden erwachsen. Wir brauchen Freiräume. Und wir brauchen Zeit mit uns allen, um uns darüber klar zu werden, was da gerade mit uns passiert. Wieso wir plötzlich von himmelhoch jauchzend zu zu Tode betrübt wechseln, innerhalb von Minuten.

Ich hasse es, wenn sich Leute im Alter 45+ ohne eigene Kinder einbilden, zu wissen, was ein heutiger Teenager will, möchte und braucht. Klar brauchen wir Strukturen. Aber wir brauchen neben hunderten Regeln auch die Chance, unsere eigenen Erfahrungen zu machen. Nichts lehrt so effektiv, wie selbst kräftig auf die Schnauze zu fallen. Es hilft nicht, wenn Mama sagt “Trink nicht zu viel, dann wird dir schlecht”. Wenn Sohni aber zu viel trinkt, und sich anschließend die Seele aus dem Leib kotzt, ist das umso effektiver. Das ist wie mit dem Kleinkind, dem man sagt, es soll nicht auf die Herdplatte fassen. Es wird erst begreifen, wieso es das nicht tun soll, wenn es die Hand draufhatte, und den Schmerz gespürt hat. Wenn wir darum betteln, selbst diese Erfahrung zu machen, dann lasst uns doch. Solange wir dadurch niemand anderen in Gefahr bringen, ist das durchaus nichts schlechtes.

Eltern können ihre Kinder nicht vor allem beschützen. Genauso wenig, wie sie in ihre Köpfe hereinschauen können. Wenn das Kind nicht reden will, dann will es nicht reden. Dann sollte man es eben mal in Ruhe lassen. Die Tür zuknallen lassen. Solange das nicht zum Dauerzustand wird. Und vor allem muss man sich als Elternteil nicht wundern, wenn man das Kind immer wieder in die Ecke drängt, und das dann entsprechend giftig reagiert. Manchmal heißt nein eben wirklich “NEIN! UND JETZT HAU AB!”. Und vielleicht ist noch lange kein ja.

Ich hasse nichts so sehr, wie wenn meine Eltern mich dazu zwingen wollen, ihnen etwas zu sagen, was ich nicht will. Ich mache vieles lieber mit mir allein aus. Und brauche auch eine Weile, um mir über meine Gefühle klar zu werden, wieso ich so fühle. Ich bin neunzehn, ich brauche dafür eine Weile. Wenn ich über etwas sprechen will, dann komme ich schon. Und sage, was ich sagen will und muss.

Ich suche selten Rat bei meinen Eltern. Besonders bei zwischenmenschlichen Problemen. Das eine Mal, wo ich wirklich nicht wusste, was ich davon halten soll, und es meiner Mutter gesagt habe, war vor… vier Monaten. Und nichts habe ich je so sehr bereut. Weil meine Mutter nicht locker lassen kann. Weil sie nicht begreift, dass “Ich will das nicht so machen” bedeutet, dass ich es auch nicht so machen werde. Weil sie nicht einsehen will, dass ich zwar Rat suche, aber es immer noch meine Entscheidung ist, ob ich dann auch nach diesem handle. Und das scheint etwas zu sein, was viele Eltern nicht begreifen. Nur, weil das Kind Rat möchte, bedeutet das noch lange nicht, dass es den Eltern das Recht gibt, den eigenen Willen/die eigenen Ansichten dem Kind aufzuzwingen, und das Kind zum Handeln nach ihren Maßstäben zu verpflichten.

Und was Teenager auch gar nicht haben können, ist “Ich hab’s dir doch gesagt!” Ja, schön, toll. Davon kann ich mir aber nichts kaufen. Ja, ich hab Scheiße gebaut. Ja, ich hab mich falsch entschieden. Ja, ich hab deshalb beschissene Laune. Aber besser wird meine Laune durch solch einen Spruch sicher nicht, im Gegenteil. Kein Elternteil braucht sich nach diesem Satz wundern, wenn das Kind komplett zumacht. Viel besser wäre es, mal die Klappe zu halten, die Arme aufzuhalten, und zu trösten. Da zu sein, und einfach nur zuzuhören. Himmelherrgottnochmal. Wir wissen innerlich, dass wir die Weisheit nicht mitsamt ihren sieben Löffeln gefressen haben. Aber das habt ihr genauso wenig. Ihr musstet auch erst eure Erfahrungen sammeln. Und wir haben genauso ein Recht darauf. Freut euch doch, wenn wir nach unserem Scheitern zu euch kommen, und uns anlehnen wollen. Und macht es nicht durch so unbedachte Äußerungen zunichte, die nur dazu gut sind, eurem eigenen Ego zu helfen, uns aber noch kleiner machen, als wir uns in dieser Situation eh schon fühlen.

Noch etwas: Nur, weil man das Kind und noch nicht verheiratet ist, bedeutet das nicht, dass man keine eigene Ansichten zu Familie und Kindererziehung hat. Und es bedeutet noch weniger, dass Eltern immer alles besser wissen. Und die Meinung ihrer Kinder übergehen können. Egal, zu welchen Thema.

Und so zum Abschluss: Als Kommunalwahlen waren, war ich zuvor zu Hause. Und habe mit meinem Vater über Politik diskutiert. Meine Mutter interessiert sich dafür weniger, aber mein Vater und ich sind da anders. Wir haben unsere Ansichten, die teilweise sehr weit auseinander gehen [Stichwort Atomkraft], bei anderen Themen aber sehr nah beieinander sind [Bildung]. Und es tut gut, den eigenen Standpunkt zu diskutieren, Argumente finden zu müssen, wieso man so denkt, sich zu ergründen. Und dann geschah es, am Abendbrottisch. Ich sah zur Seite, in das Gesicht meines Vaters. Und sah Überraschung in seinem Gesicht. Die wieder verschwand, und seine Augen plötzlich anerkennend aufblitzten. Ich glaube, das war der Moment, in dem mein Vater wirklich begriffen hat, das ich nicht mehr das kleine Mädchen bin, sondern langsam eine Erwachsene, die nicht mehr undifferenziert übernimmt, was man ihr vorbetet, sondern es kritisch betrachtet, und sich eine eigene Meinung bildet. Und dann kam “Ich kann Kanzler” im Fernsehen. Und wir saßen da, und haben es angeschaut und über die Ansichten diskutiert. Und als dann einer der Kandidaten auf die Frage, woher man das Geld für seine Bildungsreformen nehmen soll, antwortete, dass man das durchaus aus dem Rüstungsetat nehmen kann, fragte ich, ob ich klatschen darf. Meine Mutter hat mich angeschaut, als hätte ich den Verstand verloren. Und mein Vater nickte nur mit einem Grinsen, und klatschte mit. Und ich war glücklich. Weil es der stumme Beweis dieser Anerkennung meiner eigenen Ansichten war.