frisch-fröhlich in den Wahlkampf

5. Mai 2009

2009 ist Superwahljahr in Deutschland. Kommunalwahlen, Bundestagswahlen, Europawahlen, das alles steht an. Und wieder steht man als wehrte Bürgerinnen und Bürger vor der Qual der Wahl, wortwörtlich. Wen wählen, was wählen, welche politische Richtung will man unterstützen, welche auf keinen Fall? Und geht man überhaupt zur Wahl, oder lässt es gleich bleiben?

Nun, die erste Wahl steht am 7. Juni an, Kommunalwahlen in einigen Bundesländern [unter anderem Sachsen, und nur das interessiert mich ;) ] sowie Europawahl. Und die verschiedenen Partein haben ihre Kameras herausgeholt, ihr bestes Grinsen aufgesetzt, und die Innenstädte mit Plakaten zugetackert. Und ganz vorne, wie sollte es auch anders sein, sind die Partein mit den extremsten Positionen. Allen voran die NPD in Leipzig.

Ich verweise an dieser Stelle auf einen Artikel von Mandy zu dem Thema, empfehlenswert, den zu lesen. Das hier soll eher eine Antwort darauf sein, da ich dachte, einen Kommentar darunter liest kaum jemand, besser, die Leute aufzurütteln, wenn mehrere Blogs von der Idiotie berichten, die da auf Spanplatten gepresst ist.

Fangen wir doch einmal an, die Wahlslogans auseinander zu nehmen:

„Damit Leipzig sicher wird.“

Das impliziert nicht nur, dass Leipzig nicht sicher ist [im Gegensatz zu Mainz beispielsweise habe ich in LE keine Angst, mich bei Dunkelheit noch am Bahnhof aufzuhalten], es lässt mich auch grübeln, wie LE sicher wird, nur dadurch, dass man die NPD wählt. Denn wenn man sich die letzten Jahre einmal ansieht, gelangt man unweigerlich zu dem Schluss, dass genau das Gegenteil der Fall wäre. Autonome und Rechte liefern sich auch hier regelmäßig Demos, die fast immer in Großeinsätzen der Polizei und etlichen Verhaftungen enden. Und das sind einzelne Leute, die sich gegen andere richten. Ich will gar nicht wissen, wie die Linken ausrasten, wenn die NPD ins Rathaus einzieht. Leute, das ist der Osten Deutschlands. Ihr müsst nun wirklich nicht dafür sorgen, dass die Leute, die uns als „braunen Sumpf“ bezeichnen, dies auch noch zu Recht tun.

„Sozial statt Multikulti.“

Ihr widersprecht euch selbst. Indem ihr andere ausgrenzt, seid ihr eben nicht sozial. Nur mal so am Rande. Was ich eigentlich sagen möchte: Wir leben im Zeitalter der Globalisierung. Multikulti ist an der Tagesordnung. Und ich persönlich bin der Meinung, das Gesellschaft durch unterschiedliche kulturelle Einflüsse nur gewinnen kann. Es müssen Rahmen für das gesellschaftliche Miteinander geschaffen werden, dass steht außer Frage. Aber nur durch den Einfluss anderer Gesellschaften und deren Ansichten können wir über unser eigenes System nachdenken, es mit anderen vergleichen, und Schwachstellen erkennen und diese verändern.

„Arbeit statt Armut“

Viel Spaß beim Versuch, das umzusetzen. Denn laut Statistik haben immer mehr Alleinerziehende zwei Jobs, weil einer nicht mehr zum Leben ausreicht. Das Hartz IV kein haltbarer Zustand ist, das hat nun ganz Deutschland begriffen, dafür brauchen wir die NPD nicht mehr. Aber wenn seit Jahren die Politik daran scheitert, ein Konzept zu schaffen, alle Menschen in Lohn und Brot zu bringen, mit Jobs, von deren Lohn man wirklich leben kann, dann wird es die NPD mit Sicherheit im Alleingang sofort nach der Wahl schaffen. Klar doch. Und, sonst noch jemand hier, der an Osterhase, Weihnachtsmann und Klapperstorch gleichzeitig glaubt?

„Arbeitsplatzvergabe zuerst an Deutsche.“

Ich weiß, ich mach mir mit dieser Aussage keine Freunde, aber im Ansatz habe ich damit kein Problem. Ich bin der Meinung, dass wir zuerst in unseren eigenen Reihen nach qualifizierten Fachkräften suchen sollten, bevor wir welche aus dem Ausland holen. Das hat jedoch etwas mit meinem Sozialverständnis zu tun. Ich wäre jedoch dagegen, Arbeitsplätze an Deutsche zu vergeben, die nicht qualifiziert genug sind. Ich will dann doch, dass der geschulte Inder an dem Atomreaktor rumschraubt, und nicht der deutsche besoffene Nazi, den sie gerade vom Arbeitsamt geholt haben.

„Sondersteuer für Unternehmen, die Ausländer beschäftigen, solange qualifizierte Deutsche arbeitslos sind!“

So, spätestens jetzt sollte allen auffallen, in welche Richtung sich die gute NPD wendet. Mal so ne Frage, ist der Bundestag ein Unternehmen? Ich bezweifle nämlich, dass die Putzfrauen da alle „Deutsche“ ohne jeden Migrationshintergrund sind.

Zumal ich qualifiziert als sehr schwammigen Begriff sehe. Das stößt mir sehr sauer auf, und erinnert an das Konzept der Piccaninies. So wurden früher farbige Kinder im englischsprachigen Raum bezeichnet, da man davon ausging, dass Menschen afrikanischer Herkunft sich geistig nie über die Stufe eines Kindes entwickeln könnten. Und wenn ich das lese, dann fällt mir ein, wie manche Leute in rechten Kreisen das heute noch glauben. Nach dieser Auffassung wären nämlich ALLE Deutschen, egal wie bedeppert, qualifizierter als ein Ausländer mich Hochschulabschluss.

Und um es mal ganz deutlich zu sagen: Mich KOTZEN Leute an, die die NPD und/oder DVU wählen, auch wenn es „nur aus Protest“ ist. Das ist genauso, als würde man „Mein Kampf“ mal „nur so aus Interesse“ lesen. Hm, alles klar. Die gleichen Leute haben früher die PDS nicht gewählt und wählen heute nicht Die Linke, weil sie niemanden wählen wollen, der eine SED-Vergangenheit hatte. Aber jemanden, der die Ideologie des Dritten Reichs unterstützt, der aktiv und passiv die deutsche Verfassung unterwandert, der die Ordnung im Land gefährdet, der wird gewählt? Lieber wähle ich Soziale Gerechtigkeit und Rückverstaatlichung, der der Beigeschmack der DDR anhaftet, als dass ich durch mein Kreuz die Verbrechen des Dritten Reiches in irgendeiner Weise billige, und ein Neuaufkommen dieser verbrecherischen Ideen unterstütze.

Und für alle, die weder links noch rechts außen wählen möchten, sich dennoch wünschen, dass ihre Kinder Zugang zu einem relativ kostengünstigen Studium haben, und denen die Umwelt nicht scheißegal ist, die Multikulti als Bereicherung empfinden, und der Meinung sind, dass auch Mütter das Recht auf Selbstverwirklichung im Berufsleben haben, denen empfehle ich hiermit Bündnis ‘90/Die Grünen. Einmal ganz abgesehen von dem Mittelfinger, den man den Rechten zeigt, indem man eine Partei wählt, die als Vorsitzenden einen Deutschen mit türkischen Wurzeln hat.

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3 Antworten zu “frisch-fröhlich in den Wahlkampf”

  1. Phoebe Longstocking Sagt:

    und wenn man sich gar nicht entscheidn kann/will geht man hin, streicht das wahlblatt einmal ganz durch und gibt es so ab :)
    Dann wird die Stimme als ungültig gezählt und auf eigenen Haufen gewurfen. Wenn 2 von 10 das so machen, dann haben 20% gewählt ohne ne Partei zu wählen und die Stimme kann weder der NPD noch der DVU etc. pp. zukommen :D dann sind nur noch 80 % übrig für den Rest xD

    • creativechaos89 Sagt:

      Das Problem an dieser Logik ist, dass meines Wissen nach ungültige Stimmen nichts an der Prozentverteilung ändern ;) Die fallen hinten runter, ob nun 2 von 10 durchstreichen oder nicht, an der Prozentverteilung der Partein ändert sich nichts, die muss ingesamt 100% ergeben.

      Und sag nicht, dass durchgestrichen gleich ungültig ist. Das hatte mein Vater bei dem Bürgerentscheid im Wahllokal, wo er Wahlhelfer war. Da hatte jemand durchgestrichen. Die haben da zwar zehn Minuten diskutiert, aber aufgrund der DDR-Vergangenheit [da bedeutete durchstreichen nein] sich dann dafür entschieden, dass als Negativstimme zu werten.
      Sowas geht [leider] bei den Kommunalwahlen nicht.


  2. [...] und weil die liebe Doro mich in ihrem Blog so nett verlinkt hat, mach ich das hier jetzt auch noch mal, weil ich ja weiß, dass die meisten [...]


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